KGV Rosenthal-Süd e.V.
Tipps für den Garten
zurück zur Übersicht

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

F├╝r den Inhalt dieses Beitrags ist ausschlie├člich der Verfasser verantwortlich.

Zum Beitrag des Verfassers
Verfasst am 29.03.2021 um 15:09 Uhr

Aus eins mach viele (2)   

Pflanzenvermehrung im Garten (Teil2)  – die vegetative Vermehrung   

Der größte Vorteil der vegetativen Vermehrung ist die Möglichkeit, schnell größere Menge an sortenreinen Jungpflanzen zu produzieren. Gängige Verfahren sind dafür das Okulieren, Kopulieren, Pfropfen sowie Ableger, Abrisse, Absenker, Stecklinge, Steckhölzer, Wurzelschnittlinge, Blattstückstecklinge, Brutknollen und Zwiebeln.

Veredelung von Gehölzen

Im Garten können Obstbäume umveredelt werden, wenn die bestehende Sorte nicht mehr gefällt, oder es wird eine alte Sorte auf einer neuen Unterlage weitervermehrt. Jetzt fragen sich sicherlich einige Gartenfreunde: Was ist eine Unterlage? Eine Unterlage ist eine bestehende Pflanze mit Wurzel, auf die das Edelreis veredelt werden kann. Die Unterlage bestimmt dabei das Wuchsverhalten der veredelten Sorte. Weiterhin beeinflusst die Unterlage die Blütenbildung, die Frosthärte, die Lebensdauer, den möglichen Ertragsverlauf und die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflussfaktoren.


Für leichte und mittlere Böden sollte eine mittelstark wachsende Unterlage, für schwerere Böden eine schwach wachsende Unterlage gewählt werden. Bei den Unterlagen wird zudem zwischen Sämlings- und Typenunterlagen unterschieden. Typenunterlagen bei Obstgehölzen werden immer mit Abkürzungen wie zum Beispiel M4 oder M9 angeboten.


Bei den Veredelungsverfahren gibt es z.B. die Augenveredelung bei Rosen und die Reiserveredelung bei Obstgehölzen. Die Augenveredelung wird auch Okulation genannt. Diese Veredelungsmethode wird im Sommer durchgeführt, wenn das Holz noch weich ist. Es wird ein Auge (Knospe) der neuen Sorte entnommen und nach dem T-Schnitt in die Unterlage eingeführt und verbunden.


Die zweite Veredelungsart ist die Reiserveredelung. Sie wird vorrangig im Winter/Frühjahr angewendet. Benötigt wird ein Zweig mit drei bis fünf Augen (Knospen). Bei der Reiserveredelung gibt es die Kopulation, die Geißfußveredlung und das Pfropfen. Für alle Veredelungsverfahren benötigen Sie absolute Sauberkeit sowie scharfes und passendes Werkzeug (Veredelungsmesser/ Okulationsmesser) sowie Verschluss- und Verbindungsmaterial (Veredelungsbänder oder Schnellverschlüsse aus Kautschuk). Wenn alle Materialien vorhanden sind, kann es mit etwas Geschick und Ruhe an die Arbeit gehen.


Veredelung von Gemüse

Veredelte Gemüsepflanzen sind in der Regel wüchsiger, liefern einen höheren Ertrag und sind resistenter gegenüber Bodenschädlingen. Eine häufig veredelte Kultur ist die Gurke. Als Unterlage dient dabei der Veredlungskürbis (Cucurbita ficifolia RZ). Sobald die ersten Laubblätter der Kürbisse und Gurken ca. 4 cm groß sind, wird veredelt. Zunächst wird mit einer Rasierklinge der Kürbistrieb ca. 2–3 cm unterhalb der Blätter vorsichtig eingeschnitten.


In gleicher Weise wird mit der Gurke verfahren, nur entgegengesetzt. Danach werden die beiden Schnitte ineinandergeschoben und verbunden. Jetzt kann sich die veredelte Gurke weiterentwickeln. Auch Tomaten werden immer häufiger veredelt. Gängige Unterlagensorten sind z.B. ‘Estamino’ und ‘Vigomax’ F1.


Aus ein mach mehr

Eine weitere Möglichkeit der Vermehrung ist die Teilung der Pflanzen, wie es bei vielen Stauden gemacht wird. Durch die Teilung wird zudem häufi g auch die Blühfreudigkeit gesteigert. Die Teilung sollte möglichst im Herbst oder Frühjahr erfolgen. Als Werkzeug ist vielfach der Spaten oder die Axt zu empfehlen. Nach der Teilung sollten Sie vor dem Einpflanzen die Wurzeln und den Sprossbereich einkürzen, um ein besseres Anwachsen zu gewährleisten.


Eine Vermehrung durch Ableger, Absenker, Abrisse oder Ausläufer haben gemeinsam, dass sich bei ihnen ein- oder mehrjähriger Triebe in der Erde bewurzeln lassen. Die neu entstandene Pflanze wird von der Mutterpflanze getrennt und

wächst dann selbständig weiter.


• Ableger

Ableger sind umgebildete Seitensprosse, die von den Pflanzen selbständig gebildet werden wie z.B. bei Gundermann oder Erdbeeren. Sie können diese von den Mutterpflanzen abschneiden und an einer neuen Stelle einpflanzen.


• Absenker

Möchten Sie eine neue Pflanze durch Absenker erzielen, müssen Sie einen langen ein- oder zweijähriger Trieb von der Mutterpflanze herunterdrücken, befestigen und einen Teil des Triebes mit Erde bedecken. Das Ende des Triebes schaut aus der Erde heraus. Nach erfolgreicher Wurzelbildung können Sie den Trieb von der Mutterpflanze trennen und separat einpflanzen. Beispiele für diese Vermehrungsmethode wären Weiden, Haselnuss und Heckenkirsche.


• Abrisse

Der Abriss ist eine weitere Form der vegetativen Vermehrung, bei der durch das Abreißen von bewurzelten Pflanzenteilen neue Jungpflanzen entstehen. Bei dieser rabiat klingenden Methode werden die Mutterpflanzen zuvor bis kurz über den Boden zurückgeschnitten und so zum starken Neuaustrieb angeregt. Die sich bildenden Jungtriebe werden dann nach und nach mehrmals mit Erde angehäufelt und so zur Bildung von Adventivwurzeln angeregt. und so zur Wurzelbildung angeregt. Im Herbst oder Frühjahr werden die Reihen dann wieder abgehäufelt und die bewurzelten Triebe einfach „abgerissen“, daher der Name Abriss oder Abrisse.


Die Vermehrung durch Abrisse kommt vor allem bei der Unterlagenproduktion für die Obstbaumveredelung zum Einsatz, meist von Äpfeln, Birnen, Kirschen oder Quitten. Aber auch Haselnüsse, Stachelbeeren, Johannisbeeren und einige Koniferenarten können durch Abrisse vermehrt werden.

Im Grunde lässt sich diese Vermehrungsmethode auch auf alle anderen Sträucher oder Bäume anwenden, die man durch einen bodennahen Rückschnitt zum Austreiben vieler junger Triebe zwingen kann. Jedoch lassen sich nicht alle Pflanzenarten mit gleichem Erfolg durch Abrisse vermehren.


• Ausläufer

Ausläufer sind eine natürliche vegetative Vermehrungsform von manchen Pflanzen, die im Garten allerdings auch lästig werden kann. Das bekannteste Beispiel ist der Giersch. Er bildet seine Ausläufer unterirdisch.


Bei den Erdbeeren sind die Ausläufer hingegen zur Vermehrung erwünscht. Im Laufe des Jahres bilden die Erdbeeren nämlich lange Triebe, an denen schließlich ein neuer Seitenspross, also eine neue Pflanze inklusive Wurzeln entsteht. Ist diese groß genug, wird sie einfach von der Mutterpflanze getrennt und an anderer Stelle eingepflanzt. Weitere bekannte Beispiele sind Minze, Thymian, Baldrian, Liebstöckel und auch Bambus.


Vermehrung durch Stecklinge

Die Stecklingsvermehrung ist die Methode, bei der sich mit relativ wenig Aufwand große Mengen an Jungpflanzen gewinnen lassen. Dafür sind verschiedene Pflanzenteile geeignet:


• Kopfsteckling

Hierbei wird der Steckling von einer unverholzten Triebspitze geschnitten. Er sollte drei bis vier Blattpaare besitzen. Der Steckling wird mit einem scharfen Messer direkt unterhalb eines Blattknotens schräg abgeschnitten. Die beiden oberen Blattpaare bleiben stehen und die übrigen werden entfernt. Jetzt kann der Steckling in feuchte Aussaaterde gesteckt werden.


• Steckholz

Diese Vermehrungsmethode wird bei Gehölzen in der Vegetationspause von November bis Februar angewendet. Dazu werden Hölzer von ca. 20 cm Länge und am unteren Ende schräg unter der Knospe geschnitten. Diese Hölzer können zu mehren gebündelt und frostfrei eingelagert werden, um dann im Frühjahr einzeln in den Boden gesteckt zu werden.


• Blattstecklinge

Bei dieser Methode wird das Blatt zur vegetativen Vermehrung eingesetzt. Hierzu werden Blätter oder Blattstücke meist bei Zimmerpflanzen in ein feuchtes Kultursubstrat gesteckt. Diese beginnen nach kurzer Zeit mit der Bildung feiner Wurzeln. Wenn die jungen Pflanzen ausreichend bewurzelt sind, können sie pikiert werden.


Sven Wachtmann

Vorstandsmitglied für Fachberatung



Foto: Trieb mit unterirdischem Ausläufer von Wilhelm Zimmerling PAR, Wikimedia commons, CC-BY-SA-4.0


Dokumente: