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Verfasst am 21.02.2022 um 09:00 Uhr

Kleingärtner gewinnt Fotowettbewerb    

Dieses Foto des "Hauptstadtreptils" in der Datenbank "Artenfinder Berlin" hat gewonnen. © Daniel Bohle.


119 Meldungen über Vorkommen von Zauneidechsen    

Es war einer der ersten warmen Mai-Tage im Jahr 2015, als Daniel Bohle ein sich sonnendes Zauneidechsen-Paar im Spandauer Forst fotografierte. Damals wusste er noch nicht, dass er mit diesem Schnappschuss sechs Jahre später der Gewinner eines Zauneidechsen-Fotowettbewerbs werden würde. Oft ist der ehrenamtliche Naturschützer in der Berliner Stadtnatur unterwegs und setzt sich vor allem für den Erhalt der Reptilienfauna ein.


Doch auch in der Kleingartenanlage der Bahn-Landwirtschaft Charlottenburg, in der Daniel Bohle mit seiner Familie eine Parzelle bewirtschaftet, gibt es zahlreiche Zauneidechsen. Die reich strukturierten Gärten, umgeben von Bahngleisen, stellen einen wertvollen Lebensraum für die europarechtlich geschützte Art dar. Die Begeisterung für die Tiere hat er auch an die nächste Generation weitergegeben. Und so verwundert es nicht, dass seine Tochter Greta Wenzel ebenfalls ein Zauneidechsen-Foto aus eben dieser Kleingartenanlage eingereicht hat, das den 8. Platz einnehmen konnte.


Zauneidechse war „Reptil des Jahres“

Den Fotowettbewerb ausgelobt hatte die Stiftung Naturschutz Berlin im vergangenen Jahr. Ziel war zum einen, das „Reptil des Jahres 2020/2021“ in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, und zum anderen, mehr über die Verbreitung der Zauneidechse in Berlin zu erfahren. Denn in der Hauptstadt gibt es zahlreiche Gebiete, die für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung nur schwer zugänglich sind.

Hierzu gehören auch die vielen Kleingartenanlagen. Daher wurde die Werbetrommel gerührt, es wurden Flyer verteilt, Artikel geschrieben und die Social-Media-Kanäle genutzt, um möglichst viele Berlinerinnen und Berliner zu motivieren, ihre schönsten Zauneidechsenbilder mit Angaben zum Standort über das Citizen Science Portal „Artenfinder Berlin“ (siehe auch Gartenfreund 6/2021) einzureichen.


Am Ende kamen mehr Meldungen zusammen, als bei einer doch sehr gut getarnten und flinken Art wie der Zauneidechse zu erwarten waren. Wären schon 50 Einsendungen ein Erfolg gewesen, konnten am Ende 119 valide Einreichungen gewertet werden. 68 Meldungen davon, also mehr als die Hälfte, stammten aus bisher unbekannten Gebieten. Besonders bedeutsam war, dass sogar 41 % aller Bilder (49) aus Haus- und Kleingärten eingesendet wurden. Wichtige Ziele der Kampagne konnten dank dem Einsatz vieler aufmerksamer Naturbeobachter erreicht werden.


Sechs Meldungen aus fünf Kleingartenanlagen

Dabei konnten die Kleingärten auch qualitativ punkten. Unter den 15 besten Fotografen, die einen Preis mit nach Hause nehmen konnten, waren sechs Kleingärtnerinnen und Kleingärtner aus den Kleingartenanlagen Am Mississippi, Bahnlandwirtschaft Charlottenburg, Teltowkanal, Adlergestell, Glück im Winkel und Am Falkenberg vertreten. Hier scheinen besonders fotogene Zauneidechsen zu leben.


Die Gewinner können sich auf eine Zauneidechsen-Führung mit den erfahrenen Mitarbeitern der Stiftung im Frühjahr 2022 freuen, bei der sie Wissenswertes zur Lebensweise der Zauneidechse erfahren und lernen, was man im eigenen Garten tun kann, damit sich Zauneidechsen dort wohlfühlen und niederlassen.


Die Daten sind nun auch für den hauptamtlichen Naturschutz verfügbar. Durch den Fotowettbewerb konnte die Datengrundlage des Artenfinders Berlin im Bereich Reptilien innerhalb von nur fünf Monaten um ein Drittel gesteigert werden.


Erhobene Daten helfen beim Schutz der Tiere

Aufgrund des voranschreitenden Berliner Baubooms werden immer mehr Lebensräume der Zauneidechse zerstört. Die nun erhobenen Daten können helfen, ein Schutzkonzept für die Zauneidechse in Berlin zu entwickeln. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto eher können Schutzmaßnahmen initiiert werden, die auch für Kleingärten von Bedeutung sein können. Daher ruftdie Stiftung Naturschutz Berlin weiterhin dazu auf, Fotos von Zauneidechsen und weiteren Tier- und Pflanzenarten im Artenfinder Berlin zu melden, damit sich der Berliner Natur- und Artenschutz für deren Erhalt einsetzen kann.


Gregor von der Wall, Stiftung Naturschutz Berlin



Dieser Beitrag ist in der Verbandszeitschrift Berliner Gartenfreund, Ausgabe Februar 2022, Seite 2/22, erschienen und mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Naturschutz Berlin auch hier online.


Eine Übersicht der schönsten Bilder finden Sie unter: www.artenfinderberlin.de/ fotowettbewerb2021 


Startseite des Artenfinder der Stiftung Naturschutz Berlin: berlin.artenfinder.net